Blog · 09. November 2019
Einst hat – im alten China – ein gewisser Xue-dou Zhong-xian den Unmut des kaiserlichen Hofes auf sich gezogen, weil sich im Lobgesang seines Kôan 3 Bi-yan-lu die Zeile eingefügt fand: ‚Was gelten die Fünf Kaiser uns und was die Drei Erlauchten!?‘ (so Wilhelm Gundert unübertrefflich in seiner Bi-yan-lu-Ausgabe von 1961). Eine derartige Abwertung der größten Heroen der chinesischen Frühgeschichte ist von höchster Stelle, vom ‚Thron des Himmelssohnes‘, als unerhört empfunden worden.
Blog · 07. November 2019
Sein berühmt-berüchtigtes Erstlingswerk, den Tractatus logico-philosophicus, beschließt der Philosoph Ludwig Wittgenstein mit der Bemerkung, bisweilen müsse man eine Leiter, auf der man hinauf- und über sie hinausgestiegen sei, wegstoßen und umwerfen – zum Zeichen, dass man ihrer nicht weiter bedarf. Die Metapher der Wittgenstein’schen Leiter hilft uns, ein doppeltes Paradoxon aufzulösen, das dem Chan/Zen seit den Tagen eines Qing-yuan Xing-si (660 – 740) und damit seit einen Anfängen anhaft
Blog · 02. Oktober 2019
Laut Kôan 25 Bi-yan-lu hat der Einsiedler Xiang von der Lotosblumenspitze seinen Besuchern immer wieder die eine Fangfrage entgegengehalten: ‚[Als] die Alten bis hierher‘ – er zeigt seinen Wanderstab vor – ‚gekommen waren, warum sind [sie] da nicht bereit gewesen, [dabei] stehenzubleiben?‘ Doch das chinesische Original lässt eine andere Übersetzung weitaus plausibler erscheinen: ‚Die Alten sind [nur] bis hierher gekommen – warum nicht bereit sein, [dabei] stehenzubleiben?‘
Blog · 19. September 2019
Mit Zen können wir uns auf vielerlei Weise befassen. Wir können Bücher lesen oder Bücher schreiben. Allerdings, so hilfreich und bisweilen unumgänglich es sein mag, die Klassiker der Chan-/Zen-Literatur zur Kenntnis zu nehmen, ist das bei Weitem noch kein Zen. Auch wenn wir selbst Bücher zum Thema ‚Zen‘ verfassen, reicht das noch keineswegs an Zen heran. Zen, tatsächliches Zen, beginnt erst dann, wenn wir Zazen praktizieren, das ‚Sitzen in Versenkung‘
Blog · 18. September 2019
Die andere, sozusagen diesseitige Seite des ZEN ist die der Lebensfreude und Weltbejahung, die aus dem Durchgang durch’s dà sĭ, das ‚vollständig Sterben‘, erwachsen: Zhao-zhou fragte Tou-zi: „Wenn ein Mensch, der vollständig gestorben ist, dennoch lebt, was dann?“ Tou-zi sagte: „Ich erlaube nicht, bei Nacht zu reisen; in die Helle des Tages hinein muss man ankommen!“ (Kôan 41 Bi-yan-lu) Diese Lebenslust eines hellichten Tages durchläuft zwei aufeinanderfolgende Phasen.
Blog · 17. September 2019
„Hiersein ist herrlich“, dekretiert Rilke in seiner 7. Duineser Elegie. Doch das lässt sich noch steigern: Herrlicher nichts denn Hiersein, hier in der Welt unseres Blauen Planeten – allerdings nur, soweit wir noch nicht durch unwiderrufliche Zerstörung an ihr schuldig geworden sind und solange wir das Gleichgewicht ihrer bisherigen Zyklen noch nicht derart in chaotische Unabsehbarkeit versetzt haben, dass von ihr nur eine ‚unbewohnbare Erde‘ zurückleibt. Herrlicher nichts denn Hiersein – das
Gedichte · 11. Juli 2019
'Die Welt anhalten‘ – / Wie denn das? / Es ist doch, wie schon der Schamane / Aus Elea auch gewusst hat: / Die Welt steht still
Gedichte · 09. Juli 2019
Da, die Gärten des Lebens, / Weit unter offenen Himmeln / Liegen sie da, / Sonnenbeschienen im Buddha-Wind
Gedichte · 09. Juli 2019
Einverstanden, wie denn, / Mit deinem Sterben, du? / Einverstanden von Grund / Aus und gerade in / Diesen Stunden des hell- / Freudigsten Lichtes!
Gedichte · 09. Juli 2019
Der Riesenvogel Nacht / Schwingt deinen Schmerz / Wie Flügel übers Land, / Nimmt alles, Dächer, Bäume, / Nimmt Flüsse, Felder mit

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Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)