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Die Welt anhalten

'Die Welt anhalten‘

Wie denn das?

Es ist doch, wie schon der Schamane

Aus Elea auch gewusst hat:

Die Welt steht still.

 

In ihrem Innern, das auch deines ist,

Da, wo die Dinge

Nicht mehr diese Dinge sind,

Ist Ruhe, unerschütterlich,

Ist Stille – voller Sturm.

 

Die Welt steht still.

Und du bist – nein, nicht mittendrin;

Du bist – sie selbst.

Du bist der Sturm der Stille.

Und da ist nichts, das ruht und schweigt.

 

(1992)

Eines der frühesten Gedichte, in dem sich erste Erfahrungen einer Shûnyatâ spiegeln, die reglos in sich ruht und in die eingetreten zu sein zugleich zur Folge hat, sich wie von einem Sturm der Stille in die Welt tragen zu lassen – in eine Welt, die ihrerseits von Lebensglut durchpulst ist.

 

Im Klartext gesprochen: Während eines Sesshin in Roseburg hat es mich aus der Stille der Versenkung herausgerissen in den Park und einen rauschhaften Gesang der Freude und liebenden Zuwendung zur Welt – einer Welt, die sich mir ebenso lustvoll entgegengedrängt hat.

 

Bei dem Schamanen aus Elea handelt es sich um den griechischen Philosophen Parmenides, der lehrt, dass das Seiende, einer absolut massiven Kugel vergleichbar, unbeweglich und unwandelbar in sich beruht. Die Erfahrung von Shûnyatâ läuft auf das Gegenteil hinaus.

Dietrich Roloff

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Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

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ISBN-13: 978-3749461790

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