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Einverstanden, wie denn

Einverstanden, wie denn,

Mit deinem Sterben, du?

Einverstanden von Grund

Aus und gerade in

Diesen Stunden des hell-

Freudigsten Lichtes!

Sieh‘, von keinem Zögern bewölkt,

Strahlendes Einverständnis,

So, als lachte dich an –

Zärtlicher Augenglanz.

 

Aber, wie kann das sein?

Bist du wie jener Held

Tiefster „Resignation“ –

Denk‘ nur an Kierkegaard –

Fest im Griff einer all-

Schwärzenden Schwermut?

Doch, wo bliebe da deine Lust,

Welt-innen hier, behagens-

Froh, zuhause zu sein –

Sicheren Fußes, fest?

 

Einverstanden bist du

Mit deinem Tod nicht nur,

Weil er dich nicht betrifft –

Todloser Weltengrund.

Frohgemuter weitaus

Lässt dich Erfüllung

Sein unauszulotenden Glücks –

Vollrundes Hier, gesättigt:

Dass so gar nichts dir fehlt,

Macht dir zu sterben leicht.

 

(1994)

In einem seiner schönsten Texte, der kleinen Schrift Furcht und Zittern, stellt Sören Kierkegaard dem ‚Ritter der unendlichen Resignation‘, der im Verzicht auf alles Lebensglück Ruhe und Trost gefunden hat, den ‚Glaubensritter‘ gegenüber, der ‚inkraft des Absurden‘ genau das, worauf er, nicht anders als der ‚Ritter der Unendlichkeit‘, eben noch und restlos verzichtet hat, voll Zuversicht und ungeschmälertem Behagen wieder ergreift und genießt, von keiner Schwermut belastet. Kierkegaard vergleicht die beiden mit zwei Arten von Tänzern, die über unterschiedliches Können verfügen: Die ‚Ritter der Unendlichkeit‘ haben zwar ‚Steigekraft‘. Sie machen die Bewegung aufwärts und gleiten wieder hernieder … Aber jedesmal, wenn sie herniedergleiten, können sie nicht sogleich die Stellung einnehmen, sie wanken einen Augenblick, und dieses Wanken zeigt, dass sie gleichwohl Fremdlinge sind in der Welt … Aber so herniedergleiten können, dass es in der gleichen Sekunde aussieht, als ob man stünde und ginge, den Sprung ins Leben zum Gange wandeln, … das vermag allein jener ‚Ritter des Glaubens‘.

 

So sicheren Fußes, fest, steht auch derjenige, der – eingetaucht in und eins geworden mit der Shûnyatâ – zum einen, als todloser Weltengrund, allem Sterben enthoben ist, und zum anderen und eben deswegen zugleich hier inmitten er Welt behagensfroh zuhause zu sein vermag.