· 

Schrecken, die der Abgrund gebar

Schrecken, die der Abgrund gebar,

Du ohne Ausweg und Flucht,

Angst-gebannt,

Was denn an Glücksverzicht,

Abschied ins Sterben noch

Sonst dir verhängt –

Ach, wie hat dieses Ich

Tastend sich sicheren Grund ersehnt,

Sich bewahren gewollt

Gegen den Machtspruch des Abgrunds.

 

Wie liegt das weit zurück!

Sichersten Grund hast du nun, wo

Nichts mehr ist,

Wo auch kein Boden mehr bersten kann,

Weil nirgends mehr Boden ist.

Du der Angst, den Schrecken entrückt,

Tief in den Frieden des Herzens,

Hallend wie Glockenklang, tief

Eingesenkt, und sie hebt

Dich mit sich fort,

Himmelswoge aus Nichts,

Als warteten ‚Buddha-Welten‘,

Wie sie das Sûtra entrollt,

Hokekyô – mit sich fort ins

Glanz-All hinter dem Schmerz-

Schleier, der früher war:

Glück, viel heller als das du

Einst in Tagen der Jugend

Dir vergeblich erträumt.

 

Nur so, weil du dir entsagt,

Bist du dem Licht einverleibt,

Gehst deinen Weg, leichthin dein Schritt.

 

(2001)

Ein eher autobiographisches Gedicht, das eine beinahe psychotische Schwermut während der Adoleszenz zu dem Frieden des Herzens kontrastiert, wie er aus der Einübung in einen Zustand von Shûnyatâ hervorgeht – als eine Himmelswoge aus Nichts.

 

Hokekyô ist der japanische Name für das Lotus-Sûtra, in dem ein Panorama unendlich vieler Buddha-Welten entworfen wird, die bis ins Grenzenlose reichen und sich gleichwohl dem Blick des gläubigen Hörers vollständig und bis in alle Einzelheiten darbieten sollen.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)