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Nicht dass wir und das Seiende sonst

Nicht dass wir und das Seiende sonst

Nichts als ein Störfall wären,

Störfall des Nichts – So weit will ich nicht geh’n.

Wohl aber lässt sich doch

Schwerlich bestreiten:

Anfällig sind wir, gänzlich sogar,

Jeder von uns, wie wir

Alle zugleich:

Schon ein einziger Störfall,

Wenn nur geschickt genug

Angesetzt,

Rafft den Boden hinweg, der

Über dem Nichts uns hält.

Hauchdünner Grund, den wir,

Wasserläufern vergleichbar –

Welch ein behendes Insekt! –

Sorglos begeh’n:

Haut über nichts, die zerplatzt,

Schnell der Sturz

Einwärts ins mitleidlose Verschwinden:

Was denn soll dann noch sein?

Einfach nur nichts – auch Du,

Besser gesagt: statt Deiner!

 

Gleichwohl gilt, dass das Seiende ist –

Wenn auch nur Schaum, sagt leichthin

Astrophysik,

Lichter Schaum über nichts.

Oder im Buddha-Bild:

Lotos, der aufsteigt

Über der Wasserhaut, die das Licht

Festhält im Spiegelglanz,

Rückseits ist nichts,

Lotos-Licht aus sich selbst und

Jubelnder Widerschein

Dessen, was

Jenseits unter der Grenzhaut

Nicht einmal sich verbirgt,

Kann, was nicht ist, sich doch

Auch nicht irgend verbergen:

Nichts, das nichts hat und nichts braucht,

Weder noch uns,

Etwa dass wir, nach dem Wort

Hölderlins,

Ihm, was an Glück ihm fehlt, ihm ersetzen.

Wir indes, und was sonst

Herrührt aus Nichts, uns trifft

Segen, zu sein statt seiner.

 

(2000)

Gegen Ende der zweiten Strophe wird auf Hölderlins Hymne Der Rhein angespielt, in deren 8. Strophe es heißt: ‚Es haben aber an eigner / Unsterblichkeit die Götter genug, und bedürfen / Die Himmlischen eines Dings, / So sinds Heroen und Menschen / Und Sterbliche sonst. Denn weil / Die Seeligsten nichts fühlen von selbst, / Muss wohl, wenn solches zu sagen / Erlaubt ist, in der Götter Namen / Teilnehmend fühlen ein Andrer, / Den brauchen sie ...‘