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"Mitten im Feuer bin ich Eis gewesen"

„Mitten im Feuer bin ich Eis gewesen“

Zu Starrheit eingefroren, tot,

Vom Feuer rings,

Vom Leben allenthalben

Nichts je gespürt, gewusst,

Eingesperrt in dich selbst,

Ach, ein versteinertes Ich.

 

Seit allerdings das Eis

Jählings zergangen,

Seit auch in dir

Das Glühen entfacht,

Das draußen sich

In alle Himmel dehnt,

Strömt es dir zu,

Randloses Leben,

Durch dich hindurch,

Strömt es zurück

Ins randlos Weite.

Du lebst – ohne dich selbst,

Unsterblich, Grenzen enthoben:

Die Macht des Strömens duldet

Nicht Stillstand,

Nicht einmal Widerstand.

 

(1994)

Im Kôan 6 Bi-yan-lu wird das Erleuchtungs-Gedicht eines Chang-qing Hui-leng zitiert, in dem es heißt: ‚In früheren Jahren habe ich in falscher Richtung und auf falschem Weg gesucht; heute weiß ich: Mitten im Feuer bin ich Eis gewesen!‘

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)