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Jenseits der Worte

Jenseits der Worte,

Jenseits von Abschied und Tod,

Da beginnt es zu strömen,

Strömt es zu Welten aus,

Uferlos dieses Fließen,

Ruhig-machtvoller Strom,

Unergründlich und ohne

Wirbel und Wellen treibt er

Unabsehbar dahin,

Wasser der Tiefe, des Lebens,

Speist die Oasen des Seins.

 

Mondlos die Nächte,

Die über schimmernder Flut:

Hier schon, hinter den Tränen,

Hast du den Glanz, das Glück

Erst zukünftiger Welten,

Du, nicht du, und schon jetzt.

Schein im Voraus und Leuchten,

Längst schon, bevor sie sind, ihn

Trägt das Strömen dir zu –

Du, dir ans Dunkel verloren,

Ragst wie einst Götter ins Licht.

 

(Für Allan – 2000)

Wieder ein Beispiel für die Erfahrung einer vermeintlich objektiv gegebenen Shûnyatâ, die nicht nur unsere gegenwärtige Welt wie ein Strömen hat aus sich hervorgehen lassen, sondern als ein geradezu uferloses Strömen auch weitere, erst noch zukünftige Welten hervorbringt. Seine Identität mit der Shûnyatâ lässt das ekstatische Subjekt den Glanz dieser zukünftigen Welten schon im Voraus erfahren: Die Formulierung ‚Schein im Voraus‘ verdankt sich dem bei Ernst Bloch zentralen Terminus ‚Vorschein‘.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

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Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)