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"Geh' aus, mein Herz," und schenke Freud'

 „Geh‘ aus, mein Herz,“ und schenke Freud‘,

Verschenke alles, was du hast,

Verschwende deinen Vorrat,

Den Frühling nicht, und auch kein Herbst

Erschöpfen kann, so heftig sie,

So weit sie allerorten prangen.

Gib deine Freude allen Dingen hin,

Gib sie mit vollen Händen,

Lass‘ Blumen, Bäume, Fluren

Aus deiner Freude aufersteh’n,

Lass‘ sie ihr Sterben feiern

Und ihre Wiederkunft,

Erkenne dich in ihrer Freude wieder,

Im Glanz des Lebens, Glanz des Todes auch.

 

(1994)

Ein Gedicht, das ganz nach Maßgabe der Shûnyatâ-Erfahrung, wie sie für die mittlere Etappe des Zen-Weges charakteristisch ist, die Liedzeile ‚Geh‘ aus, mein Herz, und suche Freud‘ auf den Kopf stellt: Nicht die Welt ist der Quell der Freude, die das beglückte Subjekt erfahrt; es ist vielmehr das lyrische Subjekt selbst, das die Welt aus der unerchöpflichen ‚Fülle des Nichts‘, das es in seiner Identität mit der Shûnyatâ selbst ist, hervorgehen lässt.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)