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Sohn, Du großes Gefäß

 

Sohn, Du großes Gefäß

Meiner Liebe, die Dich

Anfüllt vom Boden her,

An der Lippe des Randes

Überfließt wie ein Schleier

Meiner Tränen des Glücks.

 

Eingekleidet wie wir

Sind ins Gewand unsres Leibes,

Trifft uns Trennung und Schmerz

Ein ums andere Mal:

Wehmut, die sich

Noch übers Licht

Sonnentrunkener Tage legt.

 

Doch im Schweigen, woher

Diese Liebe sich speist,

Gibt es den Abschied nicht:

Dort im Grund ist kein Schwinden –

Nicht wie Wasser, das fällt – ist

Alles innig vereint.

 

Auch noch nach meinem Tod,

Dem dieses Leibes, wenn der einst

Doch dem Winken der Hand,

Jener leisen, gehorcht,

Lebt sie in Dir,

Liebe, die nicht

Den noch braucht, der Dich so beschenkt.

 

(Für Allan – Pfaueninsel, 2004)

Dieses Gedicht verdankt sich einem sonnenerfüllten Sommertag sowie dem Anblick des großen Springbrunnens auf der Pfaueninsel nahe Berlin: Dieser Brunnen lässt das Wasser drei, vier Meter steil und gebündelt in die Höhe steigen, um es dann – wie Wasser, das fällt - in eine auf einem Sockel ruhende große Marmorschale fallen zu lassen, aus der dann das überfließende Wasser wie ein Schleier – für das sommertrunkene Subjekt ein Schleier aus Tränen des Glücks – über die Lippe ihres Randes zu Boden sinkt. - Das Schweigen, aus dem sich diese Liebe speist, ist - wie könnte es anders sein - das der Shûnyatâ.