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Dem Antlitz deines Todes

Dem Antlitz deines Todes

Geh’n Sterne ein und aus.

Du einverleibst Dir

Ihren Untergang, so

Unbeweint,

Wie nur die Köstlichkeit,

Die des eigenen Schwindens,

Einwärts und bodenlos –

Und dort

Beginnst du die Sterne.

 

Der Gluthauch ihres Leibes –

Kein Grund als der, wo selbst

Kein Feuer brennt. Nichts

Ist, auch Liebe nicht, vor

Weltbeginn.

Dass sich Gestaltung regt,

Gleichwohl, gegen’s Erlöschen,

Allgegenwärtig wirkt

Liebe

Darin, und ist deine!

 

(1996)

Das Antlitz deines Todes - abermal eine Metapher für die Shûnyatâ, in die uns der 'Große Tod' versetzt. Das Ein- und Ausgehen der Sterne zielt auf die mahâyânistische Vorstellung, dass alles, was entsteht, aus der Shûnyatâ hervorgeht und bei seinem Untergang wieder in der Shûnyatâ verschwindet. Dasselbe gilt für jedes menschliche Individuum, das, im Falle seines ßMit-der-Shûnyatâ-Eins-Geworden-Seins von dorther die Sterne beginnt, soll heißen, aus sich hervorgehen lässt.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)