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Wohin will dieser Jubel mit dir

 Wohin will dieser Jubel mit dir,

Wohin dieser Jubel der Welt?

Im Echo

Zwischen den Horizonten

Türmen sich Wogen auf –

Gesänge aus Goldschaum.

Farben fluten herein,

Aus deinem Glück ihre Leuchtkraft,

Entzünden den Sommertag.

Vogelruf,

Prangendes Ulmengrün,

Das hohe,

Entrückte Schreiten der Wolken –

Alles wird so zu Licht.

Auch du bist verschmolzen

In das ekstatische Glüh’n.

 

Das Feuer des Jubels,

Warum hat es längst dich

Nicht schon verzehrt?

Ausgebrannt,

Lange müsstest du’s sein.

Aber du bist

Boden- und ränderlos,

Unerschöpflicher Abgrund,

Alles stürzt ihn hinab,

Alles entsteigt ihm, entstürmt,

Und dieser Jubel aus dir,

Glut ohne Ziel, „kein Sinn!",

Treibt zu immer weiteren Welten,

Freudigster, Gold-reiner Überschwang

 

(1994)

Im Zen gibt es auf die grundlegende Frage: ‚Was ist der Sinn dessen, dass Bodhidharma aus dem Westen (soll heißen: nach China) gekommen ist‘, nur eine Antwort: ‚Da ist kein Sinn!‘ Linji, einer der einflussreichsten Chan-Meister, hat dasselbe viel einprägsamer formuliert: ‚Hätte Bodhidharmas Kommen aus dem Westen einen Sinn gehabt, so hätte er nicht einmal sich selbst retten können!‘ – Diese Sinnlosigkeit eines einzelnen historischen Ereignisses spiegelt lediglich die Sinnlosigkeit der Welt – und der Welten – insgesamt.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)