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Wandle dich zum Gefäß

Wandle dich zum Gefäß,

Hohlraum und ungefüllt,

Das die Stimmen der Vögel,

Die der Bäume, der Wolken

Widerhallend beherbergt,

Auch die Worte der Tiefe,

Wie sie dem Bodenlosen

Wieder und wieder entsteigen:

Sei du die Pythia,

Hüte die Stimmen der Welt.

 

Leer von eigenem Sinn,

Der dich mit Wichtigem,

Vorlaut Wichtigem anfüllt,

Kannst du Stimmen vernehmen,

Die sonst stumm für dich sind. So

Ganz entleert – keine Armut

Ist das, denn größer’n Reichtum

Findest du nicht, als der Stimmen

Echo, das ist, „von den

Dingen erleuchtet zu sein.“

 

(2000)

Pythia hieß im alten Griechenland die Priesterin, die in Delphi, über dem ‚Nabel der Welt‘ sitzend und von den dort aufsteigenden Dünsten in Trance versetzt, als Sprachrohr für die Worte des allsehenden, alles wissenden Gottes Apollon gedient hat. Ihre zumeist wirren Äußerungen wurden dann von Priestern für die Ratsuchenden in verständliche, wenn auch oft rätselartige Formulierungen umgewandelt.

 

Von Dôgen stammt die in Zen-Kreisen allbekannte Formel: ‚Sich selbst erkennen heißt, sich selbst vergessen; sich selbst vergessen heißt, von den Dingen erleuchtet zu sein.‘

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)