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Unbegreiflich

Unbegreiflich,

Dass du im Nicht-Sein zuhause,

Aufgehoben,

Dich geborgen erfährst!

Das an dir, was noch ist:

Heimgekehrt in die Tränen – wie Licht –

Grundloser Freude,

Längst und für immer

Gänzlich gestillt zu sein:

„Frieden, nicht nur „geschaut“,

Dir entspringt er

Allem, was dich umgibt,

Mitten im Nicht-Sein. 

 

Das versteht sich:

Nicht-Sein ist nicht, wie zu Buddhas

Zeiten einstens,

Flucht und Rückzug aus sonst

Nicht bezwingbarem Leid.

Altem Zen-Brauch gemäß ist doch dir

Nicht-Sein der Quellgrund

Täglichen Daseins,

 Täglicher Freude auch:

Dass sich alles verliert,

Kann doch dich, so

Grundlos gegründet, nicht

Schmerz-jäh erschrecken.

 

(1998)

„Frieden“, nicht nur „geschaut“ – heißt es in der ersten Strophe. Darin verbirgt sich eine Anspielung auf Hölderlins Friedensfeier und deren Zeilen: ‚Und vor der Türe des Hauses / sitzt Mutter und Kind / und schauet den Frieden‘: Der Frieden aber, von dem dieses Gedicht hier handelt, ist keiner, der uns von außen überkommt, sondern einer von innen her, und der sich sogar der ganzen Welt mitteilt.

 

„Dass sich alles verliert“ – diese Zeile der zweiten Strophe umschreibt die Antwort des Da-sui, mit der dieser einen Mönch abfertigt, der von ihm wissen will, ob nicht am Ende der Welt, wenn alles im finalen Weltenbrand untergeht, doch wenigstens der Dharmakâya erhalten bleibt

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)