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Noch täuschen die Frühlinge vor

 Noch täuschen die Frühlinge vor,

Sie wären’s, wie ehedem.

Die Gifte, geruchlos

Allgegenwärtig,

Rauben den Blüten

Noch nicht ihren Duft,

Der uns zu Hoffnung betört.

Schleichend der Tod dieser Erde.

 

Das Sterben der Schmetterlinge,

Dass es auch Käfer, Vögel

Immer weniger gibt,

Uns ins Ohr schreit es nicht!

Wir überhören betäubt

Das Wachsen der Stille,

Taub von Zerstreuung und Lärm.

 

Und doch, unabweisbar,

Das Wachsen der Stille des Todes,

Die uns – wie bald? –

Am tödlichsten trifft in

Tagen wie diesen,

Bald und zur Reue zu spät. 

 

Freilich auch andere Stille,

Keine des Sterbens, steigt

Hinter den Frühlingen auf,

Auch diesen letzten.

Mehr als der übliche Ruf,

Abgenutzt längst, nach

Umkehr und Einsicht

Ist da reine Bejahung,

Auch noch der sterbenden Welt.

Unbetroffen von etwa

Eigenem Untergang,

Lässt sie dir nichts als

Eben den Jubel, der

Ihr entspringt, unversieglich,

Jubel des Lichtes

Über sich selbst – über nichts.

 

(1993)

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)