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Nirvâna – aufgesprengt

 Nirvâna – aufgesprengt.

Nicht nur ‚Erlöschen‘, wie

Das Lexikon es will,

Nicht ein Verschwinden, das

Sich ganz in sich verzehrt –

Du birgst den Kern, darin

Die Glut der Leere wächst,

Bis sie sich auswärts stülpt

Zur Welt, zum Daseinsglanz.

 

Nirvâna – Sommertag:

Laub schattet rings das Licht,

Wie Gärten liegt das Land,

Sanft laufen Wege hin,

Du gehst sie leicht, dein Schritt

Kommt aus Gelassenheit,

Aus Freude und aus Kraft –

Spürst du den Wolkenzug

Im Windhauch deines Glücks?

 

Du dieser Leib,

Durch den der Himmel streicht,

Aufstieg auch du

Und steile Pappelwand,

Flüsterndes Rauschen das,

Deines aus Lebenslust,

Tief wie der Teich des Bashô.

 

(1996)

Die letzte Zeile des Gedichts spielt auf den Mönchs-Dichter Bashô und sein bekanntestes Haiku an: Furu ike ya / kawazu tobikomu / mizu non oto: ‚Sieh’ den alten Teich. / Lässig springt ein Frosch hinein – / das Wassergeräusch!‘ – Es heißt, Bashô habe mit diesem Gedicht seine Erleuchtungserfahrung beschreiben wollen.