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Hoher Himmel und weit

 Hoher Himmel und weit,

Leichtes Licht im September:

Abschied feiern sie schon,

Den vom Sommer, die Tage,

Diese, so milde und hell.

Glanz eines Glücks

Liegt auf den Hängen,

Freudig zum Herbst hin geneigt.

Abschied heißt die Verheißung,

Die dich, auch dich,

Wieder und wieder erreicht.

Was sie verspricht,

Ist eine Freude, ein Strom,

Ist eine Flut aus Glück,

Wie sie nur dem sich schenkt,

Der den Abschied vollbracht hat,

Diesen für immer und ganz,

Allem, allem entsagend,

Bis ins Sterben hinein.

 

‚Großer Tod‘ ist das Wort,

Das dich allseits begleitet,

Ruf, Ereignis zugleich,

Das zum Leben dich aufweckt,

Leben noch über den Tod

Leibes hinaus:

„Fluss ohne Ufer“,

Jenseits der Wände des Ich

Wird sein Strömen zu deinem,

Leer bis ans Nichts

Lebst du das Steigen der Flut,

Die sich zu Welt

Wandelt und aufblüht und flieht,

Strömt auch zu dir zurück,

Weither und raumerfüllt,

Und zu Freude sich auflädt,

Machtvoll in sterblichem Leib,

 Reißt dich, trunken von Gnade,

Da zu sein, mit ins Licht.

 

(2002)

„Fluss ohne Ufer“ – eine Formulierung, die sich im Kontext des obenstehenden Gedichts geradezu aufdrängt, zugleich aber eine offenkundige Anspielung auf Hanns Henny Jahns berühmte Roman-Trilogie gleichen Namens darstellt.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)