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Sterben ist ein Abschied von besondrer Art

 Sterben ist ein Abschied von besondrer Art:

Du nimmst nichts mit, auch nicht

In leeren Händen die Erinnerung.

Du gehst – und gehst doch nicht:

Kein andrer Ort, der dich empfängt.

Die Welt, die andern bleiben nicht zurück,

Sie bleiben, wie sie sind,

Im Sein, in Freuden, Schmerzen.

Du allein verwandelst dich,

Doch ohne Überdauern,

Was du warst, das entgleitet dir,

Entgleitet ohne Rest.

Du schaust nicht zu, das kannst du nicht,

Auch das entschwindet mit. 

 

Anders freilich steht es um den 'Großen Tod'.

Zwar nimmst du Abschied, doch

Du weißt, du kehrst zurück, sogar zu mehr

An Lebenskraft und -lust,

Als dir vordem bemessen war.

Du hast der Welt entsagt, dich abgetan,

Du kannst, von dir befreit,

Dich ganz dem Glück ergeben,

Ohne irgend Vorbehalt,

Du lässt der Flut an Leben,

Die dich ins Grenzenlose drängt,

Den freien Lauf, und kein

Gedanke, Tod vernichte dich,

Verdunkelt Licht und Tag.

 

(2003)