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Sieh, wie doch der Kreis sich schließt

Sieh, wie doch der Kreis sich schließt:

Was du in den Tagen der Jugend

Sehnsüchtig erstrebt,

Plötzlich fällt es dir zu, nach

Vielen Jahrzehnten des Umwegs,

Ja, der Abwege auch,

Da es längst dir aus den Augen geraten,

Da du geglaubt, du habest

Solch törichten Jugendtraum

Abgetan,

Einer für immer verlorenen

Vorzeit ins Grab beigelegt.

Und reichlicher fällt es dir zu, und

Mehr an Erfüllung,

Als du es je damals zu hoffen gewagt.

 

Gott-los – doch den Dingen ins

Herz hast du gewollt. Und vor leeren

Himmeln – nur dein Schrei,

Ungehört, der nach Heimat.

Aufschwünge gab es, heroisch-

Rauschhaft, über die Angst

Vor dem Nichts jubelnd Triumphe zu feiern.

Mehr blieb versagt und Mystik

Wie fernes Gestirn. Erst seit –

Unverhofft –

Zen dich berührt wie mit Zauberhand,

Fällt alle Not von dir ab –

Nicht länger ins Elend verbannt, ins

Einsame Ich, lebst

Du aus dem Grund, leben die Dinge aus dir.

 

(1996)

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)