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Nicht erst am Rand der Welt

 Nicht erst am Rand der Welt

Ragen die Dinge ins Nichts.

Hier bereits,

 Hier, wo der dunkle Wind

Sich in den Buchen fängt,

Talgrundtief,

Schwer von rauschendem Grün –

Hier schon tritt es hervor,

Feiert dir all seinen Glanz,

So, als wär’s zum Beweis,

Keins zu sein, das verschlingt:

Schöpfungs-Nichts,

Taghelles Feuerwerk,

Eines zu Welten wie

Luftschiffe stolz im Abendlicht.

 

Einst, du warst Achtzehn alt,

Da hat dich Schwermut gehetzt,

Hier zumal,

Fremdwärts ins Ferne hin,

Länder des Untergangs,

Abgrundnah,

Flüchtig du vor dem Nichts:

Schmerz-erwählt und gewiss,

Todgeweiht, Opfer zu sein.

Fahl umkränzt deine Stirn,

Gingst du hin, nur der Nacht

Zugewandt,

Hungrig nach Lebenszeit,

Leicht vor Verzicht der Gang –

So tat das Nichts, das damals war.

 

(1997)

Das Nichts, Synonym für die Shûnyatâ, zeigt sich dem lyrischen Ich als ein taghelles Feuerwerk, aus dem diese und andere Welten wie im Glanz schwebende Luftschiffe hervorgehen, sowie als Quelle seines eigenen Überschwangs. Dieses Schöpfungs-Nichts kontrastiert mit einem aus Schwermut geborenen Nichts aus jener uranfänglichen Etappe des Zen-Weges, da der Weg des Lebens noch kein Zen-Weg war. – Der obige Text spielt auf die Landschaft rund um den Hohenstein im Weserbergland an, nordöstlich von Hameln, ehemals Trainingsort für Kletter-Nachwuchs, heute striktes Naturschutzgebiet.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Book on Demands

ISBN-13: 978-3749461790

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