· 

‚Frühlings- und Herbst-Annalen‘

‚Frühlings- und Herbst-Annalen‘

Kein Bericht über Aufstieg und Fall

Alter Reiche in China,

‚Frühling und Herbst‘ – in

Diesen Gedichten heißt das

Zeugnis von Wandel und Wiederkehr,

Hautnah und Leib-gegenwärtig:

Knospen, die sich

Öffnen zu erstem Blüh’n,

Laub, das sich färbt,

Sterbend, und übergeht zu

Gluthellem Leuchten:

Welch Versprechen, wiewohl

Wortlos, von Glück,

Unverbrüchlich und ohne Grund –

Aus der Fülle des Nichts, so

Nicht und nie zu erschöpfen.

 

Wehmut vielleicht, ein leiser

Anhauch, sanfthändig, wie von weit her:

Auch der Frühling vergänglich,

Nicht erst das Herbstlaub

Stürzt sich dem Tod entgegen,

Kirschen-, Kastanienschauer: kein

Anderer Tanz ins Verschwinden.

Du aber spürst

Mitten im Totentanz

Schwebendes Glück,

Schimmernd vor Glanz und Frieden,

Wie gegen Absturz

Unergründlich gefeit.

Denn auch die Welt,

Unbetroffen vom Sterben, steigt

Schwerelos aus dem Abgrund

Unter unseren Füßen.

 

(Für Ueda Sôkei – 2003)

Die Frühlings- und Herbst-Annalen, chinesisch Chun Qiu, zählen zu den Fünf Klassikern des alten China, in denen jeder, der sich auch nur mit einiger Aussicht auf Erfolg einer Staatsprüfung stellen wollte, aufs Gründlichste bewandert sein musste. Diese Frühlings- und Herbst-Annalen sind eine Chronik des Staates LU samt Ausblicken auf andere, benachbarte Staatsgebilde und behandeln die Zeit von 722 bis 481 vor unserer Zeitrechnung.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Book on Demands

ISBN-13: 978-3749461790

zum BoD Buchshop