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Dass ein Gespräch über Bäume

Dass ein Gespräch über Bäume

Fast ein Verbrechen sei,

Hat einst Bert Brecht gesagt –

Großes Wort voller Düsternis,

Vorwurf auch heute noch:

Sind doch die Zeiten mitnichten

Besser geworden,

Anders die Übel nur,

Aber nicht weniger.

 

Dennoch sei Brecht widersprochen.

Gegen den Weltlauf zwar

Ist noch kein Kraut zur Hand;

Gleichwohl heilsamer nichts als – mit

Bäumen zu reden, nicht

Über sie, mit ihnen: Eichen,

Buchen und Zedern,

Uralt, geborsten, doch

Strotzend von Lebensmut.

 

Was hätten sie uns zu sagen?

Nun, sie belehren uns,

Richtig zu leben – so

Da zu sein, einfach so: um sich

Unbesorgt, frei und wohl

Wissend, dass sie nichts bedeuten;

Stürme, Gewitter

Nehmen sie hin, getrost,

Was sie auch treffen mag.

 

‚Soheit‘ ist’s, was sie uns zeigen,

Wortlos und doch beredt:

Dass uns kein Schmerz erreicht,

Wo wir wurzeln im leeren Grund:

Unbilden, wie die Welt

Allzeit für uns sie bereithält –

Pfeile wie diese,

Tödlich dem Erdenleib,

Treffen die ‚Soheit‘ nicht.

 

(2005)

– in memoriam Peter Niebaum –

Die ‚Soheit‘ (‚So, wie die Dinge sind, nämlich leer‘) verweist auf die Shûnyatâ, und die wird hier als der ‚leere Grund‘ apostrophiert, in dem wir wurzeln und insofern allem Schmerz enthoben sind.