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Darin hast Du schon Recht, kein Zweifel

 Darin hast Du schon Recht, kein Zweifel,

Ernst Barlach und Mystikus:

„Gnade“ ja, keines Gottes jedoch – nur

„Unbändige Heiterkeit“,

„Bergstromstarke Gesundheit“,

Beides machtvoll wie tosend

Wasser, das uns davonträgt,

Dem zu wehren nicht möglich,

Auch kein Wille besteht. Eins

Aber, eins trifft nicht zu, es sei

All das nur ein „geträumtes“ Glück:

Noch das „Singen“ ist wirklich,

Das der Hände, des Leibes:

Nichts an dir, das nicht singt. Und Du

Hast es gleichfalls gewusst, Herr Barlach:

Ist Dir doch wie ‚der Singende‘

Kaum ein Bildwerk gelungen!

 

(1995)

Im Kôan 41 Bi-yan-lu richtet Zhao-zhou an uns die Frage: ‚Wenn ein Mensch, der vollständig gestorben ist, dennoch lebt, was dann?‘ Unsere Antwort sollte lauten: ‚Darin hast du schon Recht, …‘ – siehe oben. Zwar ist dort dem Wortlaut nach weder von Shûnyatâ noch vom ‚Großen Tod‘ die Rede. Doch die Zeilen dieses Gedichts beschreiben eben das, was aus der Erfahrung beider hervorgeht: ein neues Leben gesteigerter Lebendigkeit.

 

In seinem Drama Die echten Sedemunds (1920) legt Ernst Barlach dem Alter Ego seines Helden folgende Äußerung über sich selbst in den Mund: ‚… vielmehr träumte ich heute Nacht, ich schwämme mit dem gnadevollen Gefühl bergstromstarker Gesundheit und unbändiger Heiterkeit in einem schnellstrudelnden Strom und sang dabei.‘

Dietrich Roloff

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Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

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Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

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