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Du bist wie ohne Haut

Du bist wie ohne Haut:

Wie ohne Hülle, die beschützt,

Die abwehrt, was von draußen

In dich dringen will.

Dein Leib – ein off’nes Tor,

Das alles einlässt, alles,

Den Abendwind, den Wolkenzug,

Das Frühlingsgrün, den Vogelruf,

Das Rauschen, das vom Meer her kommt:

Du lässt es ein – und nimmt doch nicht

Von dir Besitz, zieht durch dich hin,

Wie Vögel tun im Herbst,

Als wärst du Himmelsraum.

 

Wenn du hinausschaust in

Die Welt: auf Wolken vor dem Mond,

Auf Hügel, Meeresbuchten,

Wiesenhang und Wald,

So schaust du nicht hinaus

Auf andres, jenseits deiner:

Auch Reisen in die äußere

Sind Reisen in die Innenwelt,

Du bist im Draußen doch bei dir,

In deinem eignen Grund, der auch

Aus Bäumen, Teichen, Blumen spricht:

Das Schweigen draußen ist

Das Schweigen tief in dir 

 

(2003)

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Book on Demands

ISBN-13: 978-3749461790

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