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Abendfrieden

Abendfrieden

Schon das Wort beseligt.

Und wie es trifft –

Der Welt ins Herz aus Glück.

 

Was Wind, was Sturm war,

Hat zur Ruhe sich gelegt:

Der Himmel klar und still,

Das Licht, im Sinken Gold,

Verklärt die Fluren weit ins Land.

Die Bäume ragen in ihr Schweigen auf,

Gelassen, uns zu sanftem Trost –

Die Nacht, sie zögert noch

Und schenkt dem Tag ein letztes Blüh’n;

Die Zeit verhält ihr Schreiten

Für einen langen, atemtiefen Augenblick,

Der unser Sehnen so verstummen lässt,

Wie sonst ein Hauch besänftigt,

Der das Gehöft der Dinge füllt.

Was noch an Schmerzen war, erlischt,

Und Ängste auch sind keine mehr.

 

Und Abendfrieden nimmt

Den Vogelflug vom Firmament.

Du bist jetzt still wie alle Welt,

So reich an Glück –

Und Tränen müssten stürzen,

Ließ’ es die Stille zu!

 

(Für Jana – 2007/ 2016)

Dieses Gedicht enthält in seiner ursprünglichen Version aus dem Jahr 2007 noch einen Hinweis auf die Shûnyatâ; und zwar heißt es in seinem Mittelteil, wo die hier vorgestellte spätere Version von 2016 nur noch ein ‚Sehnen‘  erwähnt, das ‚verstummt, sowie einen ‚Hauch‘, der ‚besänftigt‘, vielmehr und mit hinreichender Deutlichkeit: Die Zeit verhält ihr Schreiten / Für einen langen, atemtiefen Augenblick, / Durch den, was jenseits ist und ohne Zeit, / Wie durch ein Tor, ein leises, / In das Gehöft der Dinge tritt. Die inhaltliche Nähe beider Versionen insgesamt verrät, dass das ursprüngliche Gedicht von 2007 bereits den Übergang von der zweiten zur dritten Etappe des Zen-Weges markiert.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Book on Demands

ISBN-13: 978-3749461790

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