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Herbst, und die Stimme der Farben

 Herbst, und die Stimme der Farben,

Stumm-mündig, lippenlos,

Stürzt dir ins Ohr und kündet

Dir das Geheimnis der Welt,

Kündet unmissverständlich, dass

Da kein Geheimnis ist.

Und eben dies,

Dass sich da nichts verbirgt,

Was dir wie Antwort wäre,

Nichts auch, das dich als Frage bedroht –

Ja, eben dies

Hüllt dir das Herz in Frieden,

Trägt dich auf breitem Strom

Sanft und gelassen dahin.

 

Herbst, o Du stummer Mund,

So von Bedeutung schwer, so

Leicht und beredt

Uns zu seligem Leben,

Hier, diesen Augenblick,

Diesen, die anderen auch.

 

Noch ein Geheimnis erzählt dir,

Deines erzählt der Herbst,

Dass auch in dir kein Grund ist,

Nur dieses Tod-bunte Laub,

Das den Boden bedeckt, doch ist

Darunter nichts. Und erst,

Wenn du den Wink

Dorthin befolgst, erst wenn

Du dich ins Grundlos-Leere

Ganz ergibst, sind dir Leben und Tod

Gleichweit entrückt,

Beide in eins verschlungen:

Herbstlicht treibt Glut hervor,

Freude, und ruhst doch in – nichts.

 

Herbst, o Du stummer Mund,

So von Bedeutung schwer, so

Leicht und beredt

Uns zu seligem Leben,

Hier, diesen Augenblick,

Diesen, die anderen auch.

 

(2001)

Schon in der zweiten Etappe des Zen-Weges tritt hin und wieder eine Ahnung dessen hervor, dass uns hinter den Dingen nicht nur kein Nichts im Sinne einer ‚Buddha-Natur‘ oder einer Shûnyatâ, sondern rein gar nichts erwartet – einfach deshalb, weil da nichts ist.