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Hände wie Ebenen weit

 Hände wie Ebenen weit,

Trägst du den Wind und die Kerzen,

Steiles Kastanienblüh’n.

Wolkengesänge – dein Ohr

Sät sie ins Licht,

Saat eines Glücks, das allem

Sehnen den Grund entzieht:

Noch in den Blütenschauern

Schwebt keine Wehmut auf –

Teppich aus frühem Vergeh’n,

Rötlich und weiß und sanft,

Wie er gar Schmerz dir verwehrt!

 

Stille rings, ganz ohne Wunsch.

Noch so vergänglich die Welten –

Hätten sie je vermisst,

Weniger flüchtig zu sein?

Weniger – wie? –

Flüchtig auch du? Du lebst doch

Weiter, for ever young,

Neu jedes Mal, wenn neue

Welten entsteh’n, und hast

Jubel und Fülle daran,

Jeder noch dies zu sein:

Fülle und Jubel aus Licht!

 

1997)

Ein sonniger Tag m Mai am Branitzer Platz in Berlin. Die immer noch blühenden Kastanien-Bäume lassen Blütenblätter in Schauern zu Boden regnen: Inbegriff der Vergänglichkeit. Doch das lyrische Subjekt weiß sich eins mit der unvergänglichen Shûnyatâ, aus der in unermesslichen Zeiträumen immer neue Welten hervorgehen – Welten, in denen das vergängliche Ich immer wieder aus Neue ersteht.