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„Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“

„Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“

Auf Deinen Bildern, Vincent,

Wie schreitet er aus, wie

Fällt das Korn

Reif seiner Sichel entgegen!

Wie er auch Dich bedrängt,

Doch – dass Du ihm trotzest,

Dass er aus Dir

Funken schlage, die Funken

Rauschhafter Lebensglut:

Unstillbarem Sog des Entschwindens

Bild-Welten gegenzuhalten,

Als wär‘ Dir – Schweben voll Grund.

 

Auch ich einst hab‘ das gekannt:

Sich retten wollte das Herz, dem

Nur Grauen und Nichts noch bevorstand,

Tödlicher Würgegriff,

Den zu sprengen mein ach so

Rausch-wildes JA!

So ohnmächtig war. Wie

Anders der ‚Große Tod‘,

Der dich verjüngt, dich befreit zur

Weltgeburt.

Du lebst auch den Nacht-Sturz

Und noch das Sternen-Sterben:

Kein Schnitter ist und ist kein Tod!

 

(1997)

Die erste Zeile – „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“ –zitiert ein altes Volkslied aus dem 17. Jahrhundert und weckt die Assoziation zu Vincent van Gogh, der wiederholt einen sensenschwingenden Schnitter kraftvoll durch ein gegen den Horizont ansteigendes Kornfeld ausschreiten lässt: In dichten Büscheln stürzen die Halme zu Boden! – Das Du der ersten Strophe zielt gleichfalls auf Vincent van Gogh, wohingegen das ich der zweiten Strophe das lyrische Subjekt des Gedichtes meint.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

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Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)