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Die Blätter fallen

 Die Blätter fallen,

Lautlos, ohne Wind.

Der leise Hauch von Kühle,

Der ihrem Fallen folgt,

Dich erreicht er nicht.

So sterblich dieser Leib,

Dein Herz schlägt längst schon

Einen andern Takt,

Den Takt des Schweigens

Jenseits jeder Jahreszeit.

 

Du hast dein Leben

Nicht an diesem Leib.

Das Welken ist ein Blühen

An einem andern Ort.

Du bist’s, der da blüht,

Auch ohne dass du bist.

Was sonst an Herbsten

Uns so traurig macht,

Es macht dich inne

Werden, dass dich Zeit nicht trifft.

 

(2000)

Auch dieses Gedicht spricht wieder davon, dass sich das lyrische Subjekt eins weiß mit dem Schweigen der Shûnyatâ a Grund der Welt: Das Herz des sterblichen Ich schlägt den Takt einer Ewigkeit, die keinen Herzschlag mehr kennt. Und dieser herzschlaglose Leib lässt den, der seinem eigenen sterblichen Leib entwachsen ist, überall dort wieder auferstehen, wo sich fremde Sterblichkeit zu neuem Blühen entfaltet.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Book on Demands

ISBN-13: 978-3749461790

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