· 

Alles entfällt deinen weit

Alles entfällt deinen weit,

Weit geöffneten Händen,

Leben und Zukunft und Welt,

Und das Vergangene auch.

Alles fällt dir hinab,

Sanft hinab ins Entschwinden.

Auch der Blick, der ihm folgt,

Fällt dem Erlöschen anheim.

So stehst du und übst dich im Sterben –

Keineswegs eine Beckett-Figur –

Stehst in der Zuversicht,

In großer Erwartung der Freude.

Und sie enttäuscht dich nicht.

 

Leichtfertig nicht und vergisst

Sie, die Liebe, durchaus nicht.

Denen du so dich entziehst,

Wenn du im Sterben dich übst –

Ihnen gilt umso mehr

Deine Liebe, von Freude

Ganz durchtränkt. Sie beschenkt,

Andre beschenkend, dich selbst,

Und schenkt ihnen dich, deine Freude.

Mehr will Liebe als hilfsbereit sein,

Liebe will glücklich seh’n,

Und Glück kennt sie größeres keines,

Als diesen Freudenstrom.

 

Dass auch die darin treiben,

Denen die Liebe gilt,

Uferlos und ins Offene hin,

Das ist ihr Ziel.

 

(Für Jana, Allan und Julia – 2000)

Dieses Gedicht handelt, wie leicht ersichtlich, von dem, was die Japaner den ‚Großen Tod‘ nennen, was jedoch auf Chinesisch lediglich dà sῐ heißt, ‚vollständig sterben‘ – als Einübung in die Shûnyatâ, chinesisch gesprochen, ins , ,Nichts und Nicht-sein‘ des DAO.

 

In den Romanen Samuel Becketts sind Helden, oder besser gesagt, Figuren wie Molloy oder Mallone nur noch damit beschäftigt, ihren Untergang, ihr unaufhaltsames Sterben in Szene zu setzen.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)