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Abwärts steigst du den Schacht

 Abwärts steigst du den Schacht

Hin zu den Orten des Todes.

Furchtlos schreitest du aus

Durch die Gewölbe des Sterbens.

Rückwärts schaust du nicht mehr:

Abschied und Schmerz

Liegen schon längst,

Längst schon weit hinter dir.

Vorwärts schaust du und gehst

Bis an den letzten Ort,

Trittst hinaus in das Nichts.

 

Alles fällt von dir ab:

Nase und Mund und die Augen,

Wie das Sûtra es will,

Ohren, die Glieder des Leibes.

So entblößt bis ins Nichts

Ruft dich das Glück

Helleren Tags

Hierher ins Licht zurück.

Lotus-Land ist nun das,

Wie du da täglich lebst,

Andres Land brauchst du nicht.

 

(2000)

Dies ist keine Todes-Meditation, wie sie Hermann Broch in dem großartigen Finale seines Romans Tod des Vergil vorgetragen hat, sondern eher ein ‚Erfahrungsbericht‘ über die Wirkung des Kôan MU.

 

Mit dem Sûtra ist, wie auch andernorts, das Hannya Shingyô, das Sûtra vom Herzen der Einsicht gemeint, in dem es unter anderem heißt: ‚In der Leere gibt es weder Körper noch Empfindung, Denken, Handeln und Bewusstsein, noch Auge, Ohr, Nase, Zunge, Tastorgan (Haut) und Denk-Substrat (Gehirn)…‘‚Lotus-Land‘ meint dasselbe wie ‚Reines Land‘, mithin ein allen Mängeln und Nöten, aller Bedürftigkeit enthobenes Dasein, anders gesagt: eines, das auch nicht den mindesten Anlass gibt, in eine andere Welt entfliehen zu wollen.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)