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Yume no ato

 Yume no ato

Ausgeträumt ist der Traum,

Der sie verlockt,

Ehre, Ruhm und Gewinn

Auf dem Schlachtfeld zu suchen.

Nur ihre Knochen noch

Bleichen im Sommergras:

Nichts weiß im Jubel des Lichts

Steigend, fallend das Jahr,

Nichts von Schrecken und Todesschrei,

Damals beim Untergang,

Als Verblendung erfuhr,

Dass sie Verblendung war –

Kein Erwachen indes,

Nur Erlöschen und Nichts,

Dort, als das Auge brach.

 

Licht, das den Himmel wölbt,

Leicht, und weitet auch dich.

Wieder weißt du, was längst

Gültig entschieden ist:

Dass zum Glück du nichts brauchst,

Nichts als den ‚Großen Tod‘,

Der wie anderen Orts dich auch

Hier aus Licht überfällt.

Traum von Bedeutung und Ruhm,

Er hat auch dich verlockt,

Damals, doch hat ein Glanz,

Der von drüben, schon längst dich

Eines Besser’n belehrt,

Seither so ganz

Aus Verblendung erwacht:

Yume no ato

 

(2003)

Yume no ato, zu Deutsch: ‚Nach [ihrem] Traum‘: Eines der bedeutendsten Haiku des japanischen Mönchs-Dichters Bashô lautet: Natsugusa ya / tsuwamono-domo ga / yume no ato: ‚Nur Sommergras ist, / Was von all den Kriegern blieb – / nach ihrem Traum.‘Bashô hatte auf einer seiner vielen Wanderungen auch eines der berühmtesten Schlachtfelder der japanischen Geschichte besucht, auf dem etwa 600 Jahre zuvor Tausende Krieger ihr Leben verloren hatten: Die einzige Spur, die von ihnen und ihren Träumen, ihren verblendeten Hoffnungen auf Ruhm, Erfolg und Reichtum geblieben war, das war das Sommergras, das das ehemalige Schlachtfeld bedeckte und über das der Wind hinstrich. – Das hiesige Gedicht dramatisiert die Szene, indem es – kontrafaktisch – noch Knochen der Gefallenen im Grase bleichen lässt.

Dietrich Roloff

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