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Nichts bewahrt

 Nichts bewahrt

Dich vor dem Schmerz des Abschieds,

Nämlich des letzten, nichts.

Ach, solang es dich drängt,

Dir dein Ich zu erhalten –

Nichts, auch das Teuerste nicht,

Bist du zu halten kräftig genug.

Alles, so sehr du dich sträubst,

Alles entgleitet zuletzt,

Alles, du auch.

 

Hast du dich

Erst einmal aufgegeben –

Schmerz ist dann keiner mehr,

Abschied auch hast du dann

Hinter dir allemal. Denn

Dort, wo du anlangst und bleibst,

Endet das Reich der Klagen; dort bleibt

Auch, was am teuersten dir,

Dir, der du gar nicht mehr bist,

Ortlos vereint.

 

(2000)

In der Ortlosigkeit des Nicht-Ortes, auf den auch das Gedicht ‚Der Boden birst‘ anspielt (siehe die dortigen Erläuterungen), gibt es für den darin Versunkenen keine Dualität, keine wechselseitige Distanz, kein Getrenntsein des Verschiedenen; dort erscheint alles – unterschiedslos – seit jeher und für immer vereint, freilich als – nichts.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

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Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)