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Dich erhoben hast du

 Dich erhoben hast du

Über Leben und Tod:

Niemals sterben zu müssen, ja,

Uralter Märchentraum.

Doch auch: nicht

Leben zu müssen, um –

Randvoll gesättigt zu sein!

‚Du brauchst nicht zu leben!‘

Was für ein Satz!

Erdbeben gleich,

Jäh stürzen die Mauern ein,

Ist kein Gefängnis und

Kein Gemäuer aus Welt mehr!

‚Du brauchst nicht zu leben!‘

Jubel bricht auf

Bei solchem Fanfarenstoß,

Jubelnder noch

Als der Posaunen-Sieg

Einstmals vor Jericho.

‚Nicht leben zu müssen!‘

Tränenstürze

Fluten die Brust dir,

Freude, Meer-weit,

Schwemmt dich hinaus,

Fort in ein Glück ohne dich.

 

Freude, die weiter besteht,

Auch wenn es dich

Nicht mehr gibt: Wie

Werden die Welten

Nach dir – jubelnd,

Wie! – singen zu sein! Wie

Schwelbrand, so breitet sich,

Unter dem Grundlosen,

Unter dem Tod

Einst auch deines Leibes hin,

Freudenglut aus,

Von hier, unaufhaltsam,

Anfangslos, aus der Hülle

Deiner Vergänglichkeit:

Neu-Welten entgegen, von

Schwelbrand zu Glut

Offen entfacht,

Zum Jubel des Da-Seins:

Schon dass sie sind, ist Gesang,

Darin du auferstehst.

So fremd auch,

So unerreichbar fern

Sie dir sind, hier im Leibes-Ich –

Dir entspringt, was an Glück

Sie begeh’n, statt deiner.

 

(Für Heinz M. – 1997)

Purer, ekstatischer Überschwang: Nicht leben zu müssen, weil zeitlos weiterbestehend in der – kein Gefängnis und kein Gemäuer aus Welt mehr! – Welt-zersprengenden Shûnyatâ und doch zugleich auch noch nach dem eigenen Tod weiterlebend in allem, was der Shûnyatâ fortan entspringt, und den Jubel all dieses zukünftigen Da-Seins vorweg als den eigenen zu erfahren.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3749461790

(erhältlich auch als E-Book)