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Buddha-Statuen

 Buddha-Statuen –

In den Vitrinen der Völkerkunde

Halten wir uns ihr

Lächeln vom Leibe.

Spotlights verfälschen das

Ihnen eigene Licht,

Gegenzauber, um uns

Ihrer Macht zu entziehen.

Lässt du aber dich ein,

Brichst durch die Trennwand des

Aufgezwungenen Gleißens,

Offenbart sich ein anderer Glanz,

Einer mit Sprengkraft,

Seines Gefängnisses Spott, der draußen

Vor den Museumsmauern

Erst seinen Welttag hat.

 

Nein, es sind nicht,

Platon, zwei Welten, die eine jenseits,

Jene des Glanzes,

Hier diese andre,

Die unsrer Leiden, so

Unvollkommen, dass uns

Nur Verzweiflung, es sei

Denn die Flucht dorthin bliebe.

Nein, die Epiphanie

Göttlichen Glanzes auf

Leib und Lippen der Buddhas

Kündet dir vom Frohlocken der Welt,

Dieser nur einen,

Über sich selbst: So sich ganz genügend

Ist ihr, vom Glanz erfüllt, nichts

Rettendes nötig sonst.

 

(Für U. T. – 1994)

Dieses Gedicht geht auf einen Besuch der Völkerkunde-Abteilung des British Museum im Jahre 1992 zurück. – Platons wirkungsmächtige Zwei-Welten-Theorie besagt, dass es jenseits der irdischen, mit Mängeln und Leiden aller Art behafteten Welt (der Welt des Werdens und Vergehens, man könnte auch sagen: der Welt des Samsâra) eine andere, vollkommene Welt gibt (die Welt des ewig Seienden, das keine Veränderung kennt), in der für Leiden gleich welcher Art kein Platz ist und zu der wir – so Platon in seinem Dialog Theaitetos – so schnell wie möglich Zuflucht nehmen sollten.

Dietrich Roloff

ZEN - "Der Duft Hunderter von Blumen"

Das Shinjinmei des Seng-can / Sôsan und die ‚Lehrreden‘ des Hong-zhi Zheng-jue / Wanshi Shôgaku

19,95 €

Verlag: Book on Demands

ISBN-13: 978-3749461790

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